Samstag, Oktober 12, 2013

Wie wärs mit Erwachsen werden?


Dass die Amerikaner, Engländer, Franzosen und alle die ganze Welt ausspionieren - darüber regt sich niemand auf. Das versteht auch keiner. Datennetzwerke. Netzpolitik. Ich hab nix zu verbergen. 

Ein Manager ruiniert eine Firma, schickt tausende Angestellte in die Arbeitslosigkeit und bekommt zum Dank 55,6 Millionen Dollar Abfindung. Aber das ist normal. Das hatten wir schon so oft. 

Schweinefleisch-Skandal, Sklavenarbeit auf Fifa-Baustellen, in Syrien hört das Töten nicht auf, der Flughafen in Berlin wird nicht fertig, die Bahn erhöht die Preise, die deutsche Politik wird von Konzernen und Lobbyisten gesteuert und in deutschen Großstädten gibt es kaum mehr bezahlbaren Wohnraum. Das kennen wir. Das ist so fern und abstrakt.

Aber dass es eine Schweinerei ist, wenn ein Mitglied einer internationalen Sekte sich mit den Vereinsgeldern eine Badewanne für 15.000 Euro kauft, das versteht der Deutsche. Weil er auch überlegt, sein Bad neu zu fliesen und sich  schon mal im Baumarkt erkundigt hat.

Die mediale Skandalisierungsmaschine rubbelt dem deutschen Michel den Empörungsphallus, bis ihm die Backen glühen. 

In diesem immerselben Stück wechseln nur die Darsteller: Guttenberg, Wulff, Schavan, Eltz - das Publikum hat sich bis zum Finale hochgejazzt, und erwartet nun endlich abspritzen zu können. Rücktritt. Absetzung. Bilder der Demut. Letzte Auftritte mit ernsten Statements.

Und danach? Post coitum homo anomale triste. 

Dann ist der nächste dran. Hunzicker hat ein Kind. Irgendein Politiker macht einen Hitler-Vergleich.  Vor der italienischen Küste ertrinken Menschen. 

Und bald ist wieder Fußball WM.



Samstag, Oktober 05, 2013

Schöner über das Wetter reden

"Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum; es wanderte ostwärts, einem über Russland lagernden Maximum zu, und verriet noch nicht die Neigung, diesem nördlich auszuweichen. Die Isothermen und Isotheren taten ihre Schuldigkeit. Die Lufttemperatur stand in einem ordnungsgemäßen Verhältnis zur mittleren Jahrestemperatur, zur Temperatur des kältesten wie des wärmsten Monats und zur aperiodischen monatlichen Temperaturschwankung. Der Auf- und Untergang der Sonne, des Mondes, der Lichtwechsel des Mondes, der Venus, des Saturnringes und viele andere bedeutsame Erscheinungen entsprachen ihrer Voraussage in den astronomischen Jahrbüchern. Der Wasserdampf in der Luft hatte seine höchste Spannkraft, und die Feuchtigkeit der Luft war gering.Mit einem Wort, das das Tatsächliche recht gut bezeichnet, wenn es auch etwas altmodisch ist: Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913."
Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften. 1930/1999: 9

Freitag, Oktober 04, 2013

Fernsehweh

"Jede Gegenwart braucht Erzählungen, um nicht böser Banalität anheimzufallen. Soll also die deutsche Gegenwart tagein tagaus durch Kommissare erzählt werden, die auf eine jeweils regionale Wasserleiche starren?" 
In der SZ analysiert Alexander Gorkow die Ursachen für den deutschen TV Trübsinn und kommt zu einem nachvollziehbarem Schluss: 
"Einfluss haben in Deutschland hingegen eigentlich bretthart abgesicherte Fernsehredakteure, die trotzdem große Quotenängste haben, und die deshalb von einer Handvoll schlauer Produzenten, die um diese Ängste wissen, immer wieder den gleichen Pudding serviert bekommen. Diese Produzenten spielen für das hiesige Fernsehen heute die Rolle, die Johannes Mario Simmel mal im Buchmarkt spielte: als Impresarios inhaltlich relevanter, formal seifiger Kartonware wie den ZDF-Dekorationsunsinn "Adlon" mit seinen durch Trümmerdialoge stolzierenden Kostümträgern." (SZ)

L'ile de beauté

Montag, September 16, 2013

Here's a message from Milwaukee


Sonntag, September 15, 2013

Wochenende vorbei

Bauernregel

Kurt Kister analysiert in der SZ den Wahlsieg der CSU:
"Die CSU ist immer noch das, was auch die PDS in den Neunzigerjahren im Osten war: eine Regionalpartei mit Heimat-Identifikationspotenzial. Andererseits ist die CSU so etwas Ähnliches wie der Siemens-Konzern: ein langsamer Gigant mit einer Reputation aus der Vergangenheit, von dem man Sicherheit und bedächtige Innovation erwartet und dem man Schmutzeleien wieder verzeiht. Diese Kombination aus Industriebehörde und Heimatpartei ist einmalig und bisher unschlagbar in Bayern. (...) Betrachtet man noch das traurige Ergebnis der Grünen, die bei dieser Wahl nur stagnieren, kann man zu dem Schluss kommen, dass es egal ist, welche Verfehlungen sich CSU-Politiker zuschulden kommen lassen - es gewinnt immer die CSU."

BÄÄÄM

Aus dem 11 Freunde Liveticker zum Spiel Dortmund / Hamburg:

9. Wow, schwierig, sich nach dem Lasogga-Bild noch zu konzentrieren. Was war hier noch gleich? Achja, Fußball. Und: Tor. Und zwar durch den schnellsten Mensch der Welt, Pierre-Emerick Usain Carl Lewis Aubameyang. Geht links durch, Aubamewrumm, zieht ab, Aubamepeng, und schon steht's hier Aubameeins zu Null.

20. Effenberg meint: »Adler sieht dabei sehr unglücklich aus.« Und wenn einer weiß, wie es ist, wenn man »unglücklich aussieht«, dann Stefan Effenberg.

41. Auf dem Feld ist mehr Bewegung als auf Uli Hoeneß Konten. Die Ecke bringt nichts ein. Gibt also auch nichts zu versteuern. 

19:32 Uhr Jetzt Aki Watzke im Interview, sieht ein wenig aus wie Martin Semmelrogge. Ist da gerade was am Planen dran, muss nur noch Keek überzeugen.

Samstag, September 14, 2013

Firestarter Lullabye

Die famose Martina Hill! Wenn die Kleine mal wieder nicht einschlafen kann: Einfach mal PRODIGY summen! Sehr schön, wie sie den englischen Zungenschlag hinbekommt.



Wer sich nicht mehr an das Original erinnert:

Burkini-Atoll

Sehr guter Artikel in der Süddeutschen Zeitung zum "Burkini-Urteil".

Darin findet sich der Hinweis, dass das Recht auf Religionsfreiheit gegen den Erziehungsauftrag des Staates abgewogen werden muss - und beim Schwimmunterricht würden diese beiden Ansprüche nun mal kollidieren. Warum? Es gibt in Deutschland für Schülerinnen kein Kopftuchverbot etwa im Mathematik- und Deutschunterricht. 

Der Grund: Das Kopftuch kollidiert in diesen Fällen - nach derzeit herrschender Auffassung - einfach nicht stark genug mit dem staatlichen Erziehungsauftrag (wenn Lehrerinnen eines tragen, sehen das viele anders). Mädchen können auch mit einem Kopftuch Mathematik oder Deutsch lernen. 

Im Schwimmunterricht aber muss man eben nun mal schwimmen, im Turnunterricht muss man turnen. Und übermäßig viel Kleidung ist dabei bekanntlich hinderlich. 
Scham ist keine Ausübung der Religion sondern einfach eine Begegnung des religiösen Menschen mit dem säkularen Alltag
Ein weiterer, grundsätzlicherer Hinweis, der deutlich machen mag, inwiefern Religion in Deutschland, ihren Totalanspruch aufgeben muss: Das Grundgesetz schützt die freie Ausübung der Religion. Hierzu gehören insbesondere religionsinterne Rituale und Traditionen, sofern sie der Allgemeinheit (gerade noch) als zumutbar erscheinen; in diesem Sinne gleicht etwa die rituelle Beschneidung bei den Juden der christlichen Taufe oder der Erstkommunion, weswegen sie erlaubt bleibt. 

Das Gefühl der Scham (das die muslimische Eltern im Rahmen der Vermittlung ihrer Konventionen und Sittlichkeitsvorstellungen ihren Kindern beibringen möchten) ist aber - so das Gerichtsurteil - keine Ausübung der Religion im Sinne einer rituellen oder gottesdienstähnlichen Handlung, sondern einfach eine Begegnung des religiös erzogenen oder gestimmten Menschen mit dem säkularen Alltag. 

Solche Kollisionen sieht das Bundesverwaltungsgericht, mit bestimmten Kompromissen bei der Kleiderordnung, auch für muslimische Schülerinnen als zumutbar an. 
"Eine Gestaltung des Unterrichts, die jeder Glaubensvorstellung Rechnung trägt, ist nicht praktikabel."  
Schließlich: In Deutschland müssen ALLE Bürger hinnehmen, dass staatliche Erziehungsauftrag inklusive Schulpflicht, als solche ja schon in die Lebensgestaltung aller Familien mit ihren jeweiligen Prägungen eingreift. 

Dieser Auffassung schließt sich das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil an: "Die Schulpflicht", so die Richter, "steht nicht unter dem Vorbehalt, dass die Unterrichtsgestaltung die gesellschaftliche Realität in solchen Abschnitten ausblendet, die im Lichte individueller religiöser Vorstellungen als anstößig empfunden werden mögen." Und ferner heißt es: "Eine Gestaltung des Unterrichts, die jeder Glaubensvorstellung Rechnung trägt, ist nicht praktikabel."