Auf dem Vine-Account von Auctioneer Beats finden sich famose Beiträge, bei denen Auktionatoren bei Vieh-Versteigerungen, ich vermute mal in ... Texas?, unter deren unendlichen Strom percussivem Gebrabbel der aktuellen Gebote swelle Beats gelegt werden. Großes Tennis!
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Donnerstag, Juni 30, 2016
Sonntag, Mai 01, 2016
Der Mai
Erich Kästner: Der Mai
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.
Freitag, Juli 31, 2015
Donnerstag, Juli 17, 2014
Ahnungslosigkeit
"In einem uralten Fußball-Fangesang geht der Sieger aufrecht und der Besiegte gebückt. Wer sich nur zu Welt- und Europameisterschaften mit dem Sport befasst, der kann das nicht wissen und so blamieren sich dieser Tage viele Fußball-nur-wenn’s-alle-schauen-Zuschauer mit der Einschätzung, die Nationalmannschaft machte mit dem Gaucho-Dance gefährlich einen auf Herrenrasse. Böse Zungen unterstellen betroffenen Journalisten kalkulierte Quertreiberei nach der Methode “Steile Thesen bringen Klicks”. Wir gutmütigen Bernhardiner-Naturen unterstellen blanke Ahnungslosigkeit."SCHLECKY SILBERSTEIN
"Frotzeleien gehören immer wieder zum Fußball, von der Titelfeier in der Bezirksliga eben bis zum Brandenburger Tor, sie sind sogar Teil einer globalen Kultur. Und viele davon gibt es nicht. Dafür, dass sich die deutschen Weltmeister in Berlin dieser globalen Fußballsprache bedienten - und nicht darauf beharrten, betont und ganz verspannt anders als alle anderen sein zu müssen - muss man ihnen nicht gleich den nächsten Pokal verleihen. Aber schon gar nicht ihnen die Knobelstiefel anziehen."FAZ
Samstag, Juni 07, 2014
"Rihanna is marketed like a soft porn star instead of a musical artist"
"She has a fine voice, but that’s not what’s being used to sell her."
Im britischen INDEPENDENT kritisiert Louise Scodie am Beispiel Rihannas und Miley Cyrus ("Miley’s antics are more unintentionally hilarious than sexy, but they’re also depressing.") das allzubekannte Konzept des Musikmarketings, das für weibliche Entertainer den Porno-Code sexueller Verfügbarkeit vorsieht
Im britischen INDEPENDENT kritisiert Louise Scodie am Beispiel Rihannas und Miley Cyrus ("Miley’s antics are more unintentionally hilarious than sexy, but they’re also depressing.") das allzubekannte Konzept des Musikmarketings, das für weibliche Entertainer den Porno-Code sexueller Verfügbarkeit vorsieht
Dienstag, Juni 03, 2014
Der Juni
Erich Kästner - Der Juni
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war, es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weil´s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist´s bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer
ob´s Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.
Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.
Kaum schrieb man sechs Gedichte,
ist schon ein halbes Jahr herum
und fühlt sich als Geschichte.
Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Laub fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.
Aus Gras wird Heu. Aus Obst Kompott.
Aus Herrlichkeit wird Nahrung.
Aus manchem, was das Herz erfuhr,
wird, bestenfalls, Erfahrung.
Es wird und war, es war und wird.
Aus Kälbern werden Rinder
und, weil´s zur Jahreszeit gehört,
aus Küssen kleine Kinder.
Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist´s bestellt in unsrer Welt,
der besten aller Welten.
Spät tritt der Abend in den Park,
mit Sternen auf der Weste.
Glühwürmchen ziehn mit Lampions
zu einem Gartenfeste.
Dort wird getrunken und gelacht.
In vorgerückter Stunde
tanzt dann der Abend mit der Nacht
die kurze Ehrenrunde.
Am letzten Tische streiten sich
ein Heide und ein Frommer
ob´s Wunder oder keine gibt.
Und nächstens wird es Sommer.
Sonntag, April 20, 2014
Wahnsinn!
Schöner beleidigen mit Eckhard Henscheid - im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (11. April 2014, S.26)
Henscheid: "Bei der Ex-Bischöfin Käßmann musste man der Öffentlichkeit zäh erklären, dass diese Frau einfach eine infantile Närrin ist, die meistens Frauen hereinlegt, ein Monster."
SZ: Ist Monster nicht ein bisschen viel?
Henscheid: "Nein. So ähnlich wie bei Gertrud Höhler, die zwölf Bücher mit dem einzigen Gedanken vollgemacht hat, dass Leistung Lust macht und Lust Leistung, hat Frau Käßmann nichts anderes mitzuteilen, als dass man "den Gesprächsfaden mit Gott nicht abreißen lassen darf", und zwar - es richtet sich an Frauen - in Konditoreien bei einem guten Stück Kuchen. Und noch lieber in der Sauna. Eine Bischöfen, die so ein Zeug verkündet, nennen ich schon Monster. Also gut: Monsterl."
SZ: Sie gelten als Fußbalkenner. Wird Bundestrainer Jogi Löw Fußballweltmeister?
Henscheid: Löw ist zweifellos ein besonders inferiorer Kopf. Wenn man seine Interviews und Ansprachen googlet, kann man erfahren, das er jeden Tag, ja manchmal pro Satz mindestens zweimal "Wahnsinn" sagt. Ein Sprachschatz wie ein zurückgebliebenes zehnjähriges Kind. Wenn er zurücktritt, bin ich wieder etwas fußballgeneigter."
Henscheid: "Bei der Ex-Bischöfin Käßmann musste man der Öffentlichkeit zäh erklären, dass diese Frau einfach eine infantile Närrin ist, die meistens Frauen hereinlegt, ein Monster."
SZ: Ist Monster nicht ein bisschen viel?
Henscheid: "Nein. So ähnlich wie bei Gertrud Höhler, die zwölf Bücher mit dem einzigen Gedanken vollgemacht hat, dass Leistung Lust macht und Lust Leistung, hat Frau Käßmann nichts anderes mitzuteilen, als dass man "den Gesprächsfaden mit Gott nicht abreißen lassen darf", und zwar - es richtet sich an Frauen - in Konditoreien bei einem guten Stück Kuchen. Und noch lieber in der Sauna. Eine Bischöfen, die so ein Zeug verkündet, nennen ich schon Monster. Also gut: Monsterl."
SZ: Sie gelten als Fußbalkenner. Wird Bundestrainer Jogi Löw Fußballweltmeister?
Henscheid: Löw ist zweifellos ein besonders inferiorer Kopf. Wenn man seine Interviews und Ansprachen googlet, kann man erfahren, das er jeden Tag, ja manchmal pro Satz mindestens zweimal "Wahnsinn" sagt. Ein Sprachschatz wie ein zurückgebliebenes zehnjähriges Kind. Wenn er zurücktritt, bin ich wieder etwas fußballgeneigter."
Mittwoch, April 16, 2014
Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
taz: Was haben wir gelernt aus drei Tagen Sicherheitskonferenz?
Friedrich Küppersbusch: Zum hundertsten Jubiläum der Rede seines Amtsvorgängers Wilhelm II. haut unser aktuelles Staatsoberhaupt eine modische Coverversion raus: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Verantwortung. Gauck dröhnt vom „besten Deutschland, das wir je hatten“ – ein Widerspruch in sich. Denn wäre dieses Deutschland gut, hätte es einen Repräsentanten, der sich lieber die Zunge abbeißen würde, als so zu prahlen. „Eine fundamentale Neuorientierung der Außen- und Sicherheitspolitik“, verbrämt Gauck sein „Germans to the front“. Ein trockener Alkoholiker beim Überfall aufs Schnapsregal wäre froh, so schöne Worte dafür zu finden. (...)"
Friedrich Küppersbusch: Zum hundertsten Jubiläum der Rede seines Amtsvorgängers Wilhelm II. haut unser aktuelles Staatsoberhaupt eine modische Coverversion raus: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Verantwortung. Gauck dröhnt vom „besten Deutschland, das wir je hatten“ – ein Widerspruch in sich. Denn wäre dieses Deutschland gut, hätte es einen Repräsentanten, der sich lieber die Zunge abbeißen würde, als so zu prahlen. „Eine fundamentale Neuorientierung der Außen- und Sicherheitspolitik“, verbrämt Gauck sein „Germans to the front“. Ein trockener Alkoholiker beim Überfall aufs Schnapsregal wäre froh, so schöne Worte dafür zu finden. (...)"
Hotelkritik
SZ-Magazin: Was ärgert Sie in Hotels?
Wes Anderson: Der Handtuchhalter ist einen Tagesmarsch von der Dusche entfernt. Es gibt keinen Haken für den Bademantel. Neben dem Waschbecken ist kaum Platz für Toilettenartikel, weil Hoteldesigner Ablageflächen zu verachten scheinen. Um im Bett lesen zu können, müsste man eine Taschenlampe im Gepäck haben. Man muss Lampen ausstöpseln oder unters Bett kriechen, um eine Steckdose zum Aufladen des Laptops zu finden. Beim Zubettgehen sucht man vergebens den Schalter, mit dem man die letzte noch brennende Lampe ausknipsen kann. Soll ich weitermachen?
Wes Anderson: Der Handtuchhalter ist einen Tagesmarsch von der Dusche entfernt. Es gibt keinen Haken für den Bademantel. Neben dem Waschbecken ist kaum Platz für Toilettenartikel, weil Hoteldesigner Ablageflächen zu verachten scheinen. Um im Bett lesen zu können, müsste man eine Taschenlampe im Gepäck haben. Man muss Lampen ausstöpseln oder unters Bett kriechen, um eine Steckdose zum Aufladen des Laptops zu finden. Beim Zubettgehen sucht man vergebens den Schalter, mit dem man die letzte noch brennende Lampe ausknipsen kann. Soll ich weitermachen?
Giraffenhölderlin
Der WAGNER von Montag in Ton Hölderlin in der dunklen Stimmung Celan:
"lassen Sie uns über Giraffen reden. Eine Giraffe, in ihrer stolzen Reglosigkeit, ist für mich ein afrikanischer Prinz. Ein Massai unter den Tieren. Von einer Giraffe habe ich noch nie etwas Böses gehört. Sie frisst Blätter von hohen Bäumen.
Der Hals einer Giraffe ist schöner als der Hals eines Schwans oder einer Claudia Schiffer. Eine Giraffe ist das schönste Model Afrikas.
Im dänischen Zoo wird die Giraffe zerlegt und an Raubtiere verfüttert.
Löwen springen auf das Fleisch.
Der Zoo-Direktor sagt, das ist das Leben. Fressen und Leben."
"lassen Sie uns über Giraffen reden. Eine Giraffe, in ihrer stolzen Reglosigkeit, ist für mich ein afrikanischer Prinz. Ein Massai unter den Tieren. Von einer Giraffe habe ich noch nie etwas Böses gehört. Sie frisst Blätter von hohen Bäumen.
Der Hals einer Giraffe ist schöner als der Hals eines Schwans oder einer Claudia Schiffer. Eine Giraffe ist das schönste Model Afrikas.
Im dänischen Zoo wird die Giraffe zerlegt und an Raubtiere verfüttert.
Löwen springen auf das Fleisch.
Der Zoo-Direktor sagt, das ist das Leben. Fressen und Leben."
Fisten für den Standortfaktor
Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit für die Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin: Diedrich Diederichsen im Interview mit TIP BERLIN zu seinem neuen Buch.
Womit der Hipster zum Dienstleister des Standortmarketings geworden wäre, der die Stadt zwecks Hebung der Attraktivität für Investoren und Touristen mit seinem pittoresken Auftreten schmückt.
Das war ja schon bei den Bohemiens von Montmartre vor 120 Jahren ähnlich. Wir haben in Köln einmal das "Ministerium für das Pittoreske" gegründet. Als die Junkies aus der Innenstadt vertrieben werden sollten, haben wir gesagt, die Junkies seien in Wirklichkeit Angestellte des "Ministeriums für das Pittoreske" und müssten daher Schutz genießen.
Deshalb dürfen die Clubs auch nicht drogenfrei werden, wenn Berlin für Touristen und Investoren attraktiv bleiben will. Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit an der Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin?
Natürlich nicht nur, das macht ja auch Spaß. Aber klar, in gewisser Weise ist auch das Arbeit. Aber so schlau zynisch, das so zu sehen, ist natürlich niemand in der Berliner Senatskanzlei. Der Kapitalismus, der von diesen Prozessen profitiert, muss am Ende diese kreativen Milieus aus den guten Stadtlagen vertreiben, auch wenn damit Gründe, nach Berlin zu ziehen und hier zu investieren, wegfallen. Er muss sie vertreiben, in der Hoffnung, dass sie irgendwo anders hinziehen und dann in Marzahn eine neue Form von Subkultur-Attraktivität herstellen.
Dienstag, Januar 28, 2014
Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
taz: Viel Kritik einstecken musste Markus Lanz für seinen Talk mit Sahra Wagenknecht. Der Twittertag #aufschrei ist vergeben. Welcher böte sich an?
Küppersbusch: Zwecklos. Schon diesmal wollten 2 Mio. weniger Markus Lanz beim Krötenfressen zusehen als den genuinen Dschungelinsassen nebenan bei RTL. Wenn der Rummel auch ein PR-Konzept für „Wetten, dass . . ?“ gewesen sein sollte, ging es nach hinten los. Wagenknecht könnte als Wette anbieten, 20 Fragen von Markus und Uli auszuhalten, ohne in die Deko zu kotzen.
(Quelle: taz)
Küppersbusch: Zwecklos. Schon diesmal wollten 2 Mio. weniger Markus Lanz beim Krötenfressen zusehen als den genuinen Dschungelinsassen nebenan bei RTL. Wenn der Rummel auch ein PR-Konzept für „Wetten, dass . . ?“ gewesen sein sollte, ging es nach hinten los. Wagenknecht könnte als Wette anbieten, 20 Fragen von Markus und Uli auszuhalten, ohne in die Deko zu kotzen.
(Quelle: taz)
Dienstag, Januar 07, 2014
Heavy
"Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen) alles nach dem Leichten hin gelöst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, daß wir uns an das Schwere halten müssen; alles Lebendige hält sich daran, alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand. Wir wissen wenig, aber daß wir uns zu Schwerem halten müssen, ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird; (...) daß etwas schwer ist, muß uns ein Grund mehr sein, es zu tun."Rainer-Maria Rilke, Brief 1904 an Frans Xaver Kappus
Dienstag, Dezember 31, 2013
Neujahrslied
Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.
Und wo eine Träne fällt, blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh wir's bitten,
ist für Throne und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.
War's nicht so im alten Jahr?
Wird's im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder
und kein Mensch wird's wenden.
Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage,
jedem auf dem Lebenspfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.
Johann Peter Hebel
traulich durch die Zeiten.
Schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste
wandeln sich zur Seiten.
Und wo eine Träne fällt, blüht auch eine Rose.
Schon gemischt, noch eh wir's bitten,
ist für Throne und für Hütten
Schmerz und Lust im Lose.
War's nicht so im alten Jahr?
Wird's im neuen enden?
Sonnen wallen auf und nieder,
Wolken gehn und kommen wieder
und kein Mensch wird's wenden.
Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage,
jedem auf dem Lebenspfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.
Johann Peter Hebel
Montag, Dezember 30, 2013
Geduld
"Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. Jeden Eindruck und jeden Keim eines Gefühls ganz in sich, im Dunkel, im Unsagbaren, Unbewußten, dem eigenen Verstande Unerreichbaren sich vollenden lassen und mit tiefer Demut und Geduld die Stunde der Niederkunft einer neuen Klarheit abwarten: das allein heißt künstlerisch leben: im Verstehen wie im Schaffen.Da gibt es kein Messen mit der Zeit, da gilt kein Jahr, und zehn Jahre sind nichts, Künstler sein heißt: nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!"Rainer-Maria Rilke an Franz Xaver Kappus
Haltung
"Immer schon hat mich diese Schatzbildnermentalität angeödet, dieses Glitzern in den Augen, wenn's um Zahlen und Prozente geht. Und immer hat mir die Haltung des Barons von Wolzogen gefallen: Mit seinem letzten Geld mietete er ein Luftschiff und warf aus großer Höhe Handzettel ab. Auf ihnen stand zu lesen: "Ich grüße Berlin!" Christian Semler (1938 - 2013)
Sonntag, Dezember 22, 2013
Nachruf
"Alice Schwarzer, der seligen Else Kling aus der Lindenstraße immer ähnlicher, keift sich mal wieder durch alle Fernsehkanäle, diesmal auf der Suche nach Huren, die ihrem Bild von Huren entsprechen – also Frauen, die sich ausschließlich leiblich prostituieren, aber nicht ihre Seele an die Bild-Zeitung verkaufen. Welch schweren Weg geht sie für all jene Unmündigen, die es noch nicht geschafft haben, sich von Alice Schwarzer zu emanzipieren! Darüber kann man hinwegkommen.
Darüber nicht: Am 20. November starb Dieter Hildebrandt. Das hätte er nicht tun sollen."
Roger Willemsen ZEIT Magazin
Darüber nicht: Am 20. November starb Dieter Hildebrandt. Das hätte er nicht tun sollen."
Roger Willemsen ZEIT Magazin
Donnerstag, November 28, 2013
Der feine Unterschied
"Deutschland gehen die Ausreden aus, hieß es neulich in der taz. Gemeint waren die Ausreden, den Mindestlohn nicht einzuführen. Experten wurden zitiert, allesamt Befürworter. Die Republik betreibe social Dumping, kritisierte sie. (...) Wenig später wehte ein Shitstorm durch die Redaktionsräume an der Rudi Dutschke Straße. Denn die taz suchte Volontäre und bot 903,15 Euro im Monat. Bei einer 40-Stunden-Woche ein Stundenlohn von 5,64 Euro Brutto. (...) Die Geschäftsleitung der taz verteidigt dies, so, wie man es von Arbeitgeberverbänden kennt: Die Gehälter lägen bei zwei Drittel der branchenüblichen Tarife- "Bei Bezahlung des vollen Tariflohns müssten also 1/3 der Belegschaft entlassen werden." Oder 12.000 Abonnenten gewonnen werden, eher unwahrscheinlich."Martin Klein in der aktuellen STADTREVUE
Kleinere Übel
"Ich glaube übrigens, ich wäre, wenn ich mich entscheiden müsste, viel lieber Prostituierter als Leichenwäscher oder Proktologe."Harald Martenstein
Authentisch wie ein Schlager
In der ZEIT beschreibt Moritz von Uslar in einem nicht immer haarscharf an der Verächtlichmachung und Überheblichkeit entlangschrammenden Artikel eine Begegnung mit der Radio- und Fernsehjournalistin Christine Westermann, bekannt aus der Erfolgsserie "Zimmer frei". Im Radio empfiehlt sie Bücher und hat sich, kaum bemerkt, zur Nachfolgerin Elke Heidenreichs entwickelt: Einer Literaturratgeberin, die mit ihren Empfehlungen die Absatzzahlen des Buchmarktes steuern kann oder wie ihr Verleger Helge Malchow, Chef von Kiepenheuer & Witsch es formuliert: "Wenn sie mal schwärmt, dann kann man nichts mehr festhalten, dann wird nur noch verkauft."
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