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Mittwoch, September 07, 2016

WORK HARD PLAY HARD

Noch bis 11. September kann man sich auf der Webseite von ARTE die Doku WORK HARD PLAY HARD (2011, 90 Minuten) anschauen. 

Darin geht es um die Frage, wie ARBEIT und ihre Bedingungen heute gestaltet werden. Was wird von Arbeitern erwartet, welche "innere Haltung" und wie wird diese bei der Einstellung überprüft, während der Arbeit sichergestellt und gestaltet? 

Das hat nicht nur etwas damit zu tun, welche Dokumentations-, Kontroll- und Belohnungssysteme, Einstellungsverfahren und Formate (Home Office vs. Präsenz, projektorientierte Teams vs. feste Kompetenzen, usw.) es gibt - sondern auch damit, wie die Arbeits-Räume geplant und architektonisch gestaltet werden. 

Filmstill
In der Doku wird dies am Beispiel des Neubaus der UNILEVER Firmenzentrale in der Hamburger Hafen City durch BEHNISCH ARCHITEKTEN betrachtet. 


Der kommentarlose Blick erinnert an die Arbeiten von Harun Farocki. Es braucht in der Tat keinen rahmenden, bewertenden Text, keinen "Erzähler", der einem beim Schauen erläutert, wie man das, was man da sieht finden soll. 

Das Sprechblasen-Deutsch, in dem in der Doku Architekten, Manager und Mitarbeiter "Firmen-Philosophien" aufsagen, ist entlarvend genug. 

Filmstill

Donnerstag, Februar 04, 2016

Stößchen!

Fun Fact: Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland eine Schaumweinsteuer. Eingeführt, um die Kriegsmarine zu finanzieren, beträgt sie heute 1,02 Euro pro Flasche. Sie wird erhoben auf

> "Schaumweine in Flaschen mit Schaumweinstopfen und Haltevorrichtung"
> Getränke, die bei +20 °C einen Kohlendioxid-bedingten Überdruck von 3 bar besitzen

Eine präzise Regelung. So sollte man mal in einem Restaurant bestellen: "Was haben Sie denn für Getränke, die bei 20 Grad einen Kohlendioxid bedingten Überdruck von 3 bar besitzen?"

Montag, April 20, 2015

Trailers

A lot movies should exclusively exist as TRAILERS since this compact format has the perfect balance of foretelling and concealing content, tempo and timing and, by just the slight display of narrative patterns (consisting not only on whats been sad by the actors and the often included narrating voiceover but also the music that gives you an idea what kind of movie its about - a drama, a comedy, a thriller, an action adventure, an political independent  thrillercomedydrama with horrorpornsports elements -
 by  thus unlocking the semiotic routines enabling the audience to complete the full movie NOT in their head but in their anticipated experience.











Mittwoch, Oktober 08, 2014

Die Auskenner

Guter Beitrag im ZEIT Magazin zur neuen "Auskennerkultur": "Das Milieu, in dem ich lebe, kauft nicht mehr nur ein, es wählt aus. Man kuratiert seinen Besitzstand (...) Es hat sich eine neue Klasse gebildet: die der Besserbürger. Es genügt keinesfalls mehr, in ein Kaufhaus zu gehen (lebe wohl, liebes Karstadt!), um eine Auflaufform zu kaufen, weil man eine Auflaufform braucht. Stattdessen werden Blogs gelesen, Magazine durchblättert, und am Ende wird irgendwo in Japan oder einer Emaille-Fabrik im Allgäu bestellt (bloß nicht bei Manufactum, das ist ja nur der neue Quelle-Katalog).."

Mittwoch, April 16, 2014

Fisten für den Standortfaktor

Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit für die Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin: Diedrich Diederichsen im Interview mit TIP BERLIN zu seinem neuen Buch.
Womit der Hipster zum Dienstleister des Standortmarketings geworden wäre, der die Stadt zwecks Hebung der Attraktivität für Investoren und Touristen mit seinem pittoresken Auftreten schmückt.
Das war ja schon bei den Bohemiens von Montmartre vor 120 Jahren ähnlich. Wir haben in Köln einmal das "Ministerium für das Pittoreske" gegründet. Als die Junkies aus der Innenstadt vertrieben werden sollten, haben wir gesagt, die Junkies seien in Wirklichkeit Angestellte des "Ministeriums für das Pittoreske" und müssten daher Schutz genießen.

Deshalb dürfen die Clubs auch nicht drogenfrei werden, wenn Berlin für Touristen und Investoren attraktiv bleiben will. Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit an der Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin?
Natürlich nicht nur, das macht ja auch Spaß. Aber klar, in gewisser Weise ist auch das Arbeit. Aber so schlau zynisch, das so zu sehen, ist natürlich niemand in der Berliner Senatskanzlei. Der Kapitalismus, der von diesen Prozessen profitiert, muss am Ende diese kreativen Milieus aus den guten Stadtlagen vertreiben, auch wenn damit Gründe, nach Berlin zu ziehen und hier zu investieren, wegfallen. Er muss sie vertreiben, in der Hoffnung, dass sie irgendwo anders hinziehen und dann in Marzahn eine neue Form von Subkultur-Attraktivität herstellen.

Mittwoch, Dezember 04, 2013

Hair!

Wird unsere Kultur gerade einem drastischen Reinigungsprozess unterzogen - fragt sich das SZ Magazin, bei dem alte Genusstechniken wie Rauchen und Alkoholtrinken unter Generalverdacht gestellt werden und einem neuen Puritanismus weichen, dessen Ideale Fitness, Sport und Gesundheit sind? Jedenfalls deuten entgiftete Lebensmittel wie Butter ohne Fett, Bier ohne Alkohol und Kaffee ohne Koffein darauf hin. Sie suggerieren, dass so etwas wie Genuss ohne Reue möglich wäre. 

Im SZ Magazin stellt Paul-Philipp Hansk die oben paraphrasierte Beobachtung im Zusammenhang mit dem Impreativ zur Körpervollenthaarung. Vor diesem Hintergrund ergibt die Enthaarung als Teil einer reinlichkeitsorientierten Sexualpraxis, die eben alles ausßer Kontrollverlust oder rohe Natur ist, sondern das Gegenteil: »Sex ohne Körper« – oder genauer: der Sex, dessen Ideal der unschuldige Körper ist. Ergo wird rasiert, bis die Leiber wieder aussehen wie Kinderkörper.

Montag, November 25, 2013

Knabenführer

Wird unsere Kultur gerade einem drastischen Reinigungsprozess unterzogen, bei dem alte Genusstechniken wie Rauchen und Alkoholtrinken unter Generalverdacht gestellt werden und einem neuen Puritanismus weichen, dessen Ideale Fitness, Sport und Gesundheit sind? Jedenfalls deuten entgiftete Lebensmittel wie Butter ohne Fett, Bier ohne Alkohol und Kaffee ohne Koffein darauf hin. Sie suggerieren, dass so etwas wie Genuss ohne Reue möglich wäre.

Im SZ Magazin stellt Paul-Philipp Hansk die oben paraphrasierte Beobachtung im Zusammenhang mit dem Impreativ zur Körpervollenthaarung.

Vor diesem Hintergrund ergibt die Enthaarung als Teil einer reinlichkeitsorientierten Sexualpraxis Sinn, die eben alles außer Kontrollverlust oder rohe Natur ist, sondern das Gegenteil: »Sex ohne Körper« – oder genauer: Sex, dessen Ideal der unschuldige Körper ist. Ergo wird rasiert, bis die Leiber wieder aussehen wie Kinderkörper.

Samstag, September 14, 2013

Modular Phone

Hooray for the Community! 

Alle Nase lang rangieren wir elektronische Geräte wie Mobiltelefone, iPods oder ähnliches aus, hauptsächlich weil eine Komponente nicht mehr rockt: Das Akku ist hin, der Speicher genügt nicht oder ähnliches. 

Hier kommt eine Idee für ein Smartphone, das komplett aus austauschbaren Komponenten besteht. 

Bislang ist es nur eine Idee. Jetzt werden Stimmen gesammelt. Je mehr Leute sagen "So etwas würde mich interessieren", desto einfacher wird es, Firmen und Entwickler zu finden, die diese Idee in die Tat umsetzen. Checkt das schön gemachte und plausible Video und nehmt über Twitter, Facebook o.ä. am sogen- "Thunderclap" teil - dem digitalen Donnerhall eines massiven Applauses für dieses Projekt. 



www.phonebloks.com

Und wer schon jetzt ein ANDERES Smartphone will, könnte sich bei www.fairphone.com gut aufgehoben fühlen. "A seriously cool smartphone that puts social values first" - faire Löhne, umweltgerechte Produktion, offene Technologie.

Samstag, Februar 16, 2013

Beipackzettel für Torten

"Am 13.12.2014 werden in der EU Beipackzettel für Torten eingeführt, EU-Richtlinie 1164/2011. Beipackzettel für Torten? Wie gesagt, ich werde langsam zum Europagegner. Ich finde die europäische Einigung toll, ich träume auf Europäisch. Ich habe nicht einmal etwas dagegen, dass die Griechen Geld bekommen. Aber ich will nicht von so einer Monsterbürokratie regiert werden. Beipackzettel für Torten sind für mich eine Art Kriegserklärung an den gesunden Menschenverstand.
Europas Völker haben oft Kriege gegeneinander geführt, aber mit ihren Torten sind sie wunderbar klargekommen. (...) Es gibt auch sinnvolle EU-Richtlinien, das muss mir jetzt keiner erzählen. Aber eine Tendenz zur Überregulierung, zu Allmachtsfantasien ist unverkennbar. Sie befreien die Märkte und kontrollieren stattdessen das Leben."

Harald Martenstein, mal wieder zur EU im ZEIT Magazin Nr.6

Oll Korrect

Material für Party-Konversationen: Lernergebnisse aus dem letzten Kinobesuch: SILVER LININGS PLAYBOOK. Darin erklärt die von Bradley Cooper gespielte Hauptfigur die Herkunft der Abkürzung OK/okay:
"Martin Van Buren, the eighth president of the United States of America, is from Kinderhook, New York and he was part of a club, a men’s club, called Old Kinderhook. And if you were cool, you were in the club, they’d say, “That guy’s OK.” ‘Cause he was in the Old Kinderhooks."
Laut Wikipedia, erlangte der Begriff nationale Bekanntheit, als er 1840, von den Unterstützern der Demokraten während der Präsidentschaftswahl als Abkürzung für "Old Kinderhook," den Spitznamen von Kandidat Martin Van Buren, verwendet wurde.
"The etymology that most reference works provide today is based on a survey of the word's early history in print: a series of six articles by Allen Walker Read in the journal American Speech in 1963 and 1964 'Vote for OK' was snappier than using his Dutch name." In response, opponents attributed OK, in the sense of "Oll Korrect," to Andrew Jackson's bad spelling.
The country-wide publicity surrounding the election appears to have been a critical event in okay's history, widely and suddenly popularizing it across the United States.
Read had originally proposed an etymology of "okay" in "Old Kinderhook" in 1941. The evidence presented in that article was somewhat sparse, and the connection to "Oll Korrect" not properly elucidated. Various challenges to the etymology were present, e.g. Heflin's 1962 article. However, Read's landmark 1963-1964 papers silenced most of the skepticism. Read's etymology gained immediate acceptance, and is now offered without reservation in most dictionaries."

Donnerstag, Dezember 27, 2012

Hagia Sofia

Als schwebe die gewaltige Kuppel dieser Kirche "an einem goldenen Seil vom Himmel", so erlebten die Gläubigen die Hagia Sophia, als sie vor 1475 Jahren am 27. Dezember 537 nach nur fünf Jahren Bauzeit in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, in Anwesenheit von Kaiser Justinian geweiht wurde. Fünf Jahre Bauzeit! Davon kann sich die Elbphilharmonie eine Scheibe abschneiden.

Samstag, Dezember 22, 2012

Honoring freedom by proudly lining up random patriotic words (USA!)

Das Werbevideo der US-amerikanischen "National Rifles Association" muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da wird zu pathetischer Medal-of-Honor-Ego-Shooter-Musik in kinetischer Typographie die Fiktion eines Kampfes beschworen (bei dem es sich natürlich nicht um den Kampf gegen die Armut, Mangel an Bildung, gegen soziale Ungerechtigkeit, für den Erhalt der natürlichen Ressourcen handelt - sondern um einen Kampf, der individuell mit Schnellfeuerwaffen zu kämpfen ist.), in dem sich der in die behauptet betroffene Gemeinschaft einbezogene Zuschauer befände und bei der nicht weniger als die Freiheit selbst auf dem Spiel stehe, angedeutet, dass man aktiv die Gründerväter der USA verteidige, wenn man Waffen besitze, dass man Waffensicherheit durch den Umgang mit Waffen fördere bis hin zu sinnfreien Aneinanderreihung gut klingender Wörter "Creating a vital legacy by answering freedom's call".



















Samstag, Dezember 08, 2012

Bulb Fiktion

Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt das Verbot der Glühlampe zum Anlass, um Macht und Machenschaften der Industrie, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten“ zu portraitieren. Es geht um die Macht der Industrie und ihrer Lobbys, die Verstrickung der Politik in diese Machtstrukturen, um Profit und Scheinheiligkeit, um bewusste Fehlinformation. 

2007 lässt Greenpeace vor dem Brandenburger Tor in Berlin mit einer Strassenwalze 10.000 Glühlampen zerstören. Mit Sparlampen wäre diese Aktion nicht möglich gewesen: Das Quecksilber, das in 10.000 Kompaktleuchtstofflampen enthalten ist, reicht aus, um 50 Millionen Liter Trinkwasser zu verseuchen – abgesehen von der akuten Gesundheitsgefährdung für Aktivisten und Zuschauer. 

Seit 1.9.2012 gibt es EU-weit keine einzige Glühlampe mehr zu kaufen. 

Hochvolthalogenlampen haben noch eine Schonfrist und sind dann ab Herbst 2016 verboten. 

Wie konnte es soweit kommen? Die Industrie braucht Umssätze, NGOs müssen ihren Spendern beweisen, dass sie ihre Anliegen durchsetzen können, die meisten Politiker schauen, woher der Wind weht, für sie gibt es sonst selten die Gelegenheit, sich als Klimaschützer feiern zu lassen, ohne sich mit der Industrie oder sonst einer mächtigen Lobby anzulegen. 

VITO, das belgische Institut, das im Auftrag der EU die Kompaktleuchtstofflampen evaluiert hat, hat den Quecksilbergehalt an einem Sample von 5 (fünf) Stück überprüft. Zu einer Stellungnahme war niemand von VITO bereit. VITO geht davon aus, dass 80% des Quecksilbers aus verbrauchten Sparlampen in die Umwelt gelangt. 

Wenn Europa erst einmal flächendeckend mit Kompaktleuchtstofflampen beleuchtet ist, werden täglich mindestens eine Million dieser kleinen Giftcontainer entsorgt werden müssen. Mit je 5mg multipliziert sind das jährlich 146 Tonnen Quecksilber, die sich flächendeckend in Europa verteilen. 


www.bulbfiction-derfilm.com 

Freitag, Dezember 07, 2012

LLLA


"Indio-Duo ist ein schönes Wort; eigentlich träume ich ja davon, einmal im Leben "Lucky-Luke-Look-Alike hinschreiben zu dürfen, aber ich finde nie den richtigen Schlenker."

Harry Rowohlt, POOH'S CORNER, Frankfurt 2005, S.61

Jib et dran

"RTL FEUERT RAINER HOLBE krakeelte mich die Schlagzeile an, und weil ich wissen wollte, was man alles können muss, um von einem privaten Fernsehanbieter gefeuert zu werden, kaufte ich das Blatt. (...) Er sagt, die Juden hätten Jesum "ans Kreuz gegeben". ("Jib et dran, Josef, du jetzt nit in der Stimmung," sagt die Dame am Nebentisch, als ihr muffiger Mann Ansichtskarten schreiben wollte.) Denn dass die Juden nie auf so eine unappetitliche, in jedem Sinne trefene, also unkeuschere Hinrichtungsmethode verfallen würden, erhellt bereits flüchtigste Bibellektüre. 
Holbe sagt, die Juden hätten Jesum "für einen Verbrecher" ans Kreuz gegeben. Für wen? Für Barabas. "Barabas aber war ein Mö-hör-der", heißt es in jeder besseren Johannes- oder Matthäuspassion lakonisch. War er aber nicht. Barbaras war ein bewaffneter Widerstandskämpfer. 
Die römischen Besatzer hatten zwei Todesurteile verhängt, und weil Ostern war, durften sich die Bewohner der besetzten Gebiete aussuchen, wer von den beiden Promis begnadigt wird. Sie hatten also die Wahl zwischen einem Volkshelden und einem religiösen Spinner. Sie hatten die Wahl zwischen Ché Guevara und Pfarrer Sommerauer, oder, wo wir gerade am Vergleich sind, zwischen Sophie Scholl und L. Ron Hubbard."

Harry Rowohlt, POOH'S CORNER, Frankfurt 2005, S.55ff

Sonntag, September 23, 2012

Berlin bleibt Berlin

"Das Bestehende verwahrlost, und das Neue scheitert." In der ZEIT beschreibt Harald Martenstein, wie immer famos, das Berlin unter Klaus Wowereit als fröhlich dillettierenden und scheiternden Riesen, in dem die Lebensqualität so hoch, die Freizeitangebot so vielfältig und die allgemeinen Kosten so niedrig sind, dass der Anspruch der Bewohner an die Qualität der Infrastruktur und die Kompetenz von Politik und Verwaltung, vergleichsweise niedrig sind.
"Und wenn am Ende wirklich nichts mehr fliegt, wenn die S-Bahnen schon im Depot explodieren, wenn die Löcher in den Straßen so tief sind, dass die Pankower Rentnerinnen in Australien wieder herauskommen, wenn auf dem Ku’damm Wölfe jagen und es vom Himmel die Trümmer des größten Riesenrades der Welt regnet, dann gehen wir einfach ins Theater oder ins Kino, und hinterher essen. In der Graefestraße gibt es einen interessanten neuen Italiener."

Sonntag, August 26, 2012

They're all gone

Heute morgen im Deutschlandfunk ein sehr beeindruckendes Interview mit Ankie Spitzer, der Witwe des Fechters André Spitzer, der bei den olympischen Spielen in München 1972 von  einer palästinensischen Terrorgruppe ermordet wurde. 

So schlimm das Versagen der deutschen Sicherheitskräfte war, die in aus heutiger Sicht unfassbar dilettantischer Weise den Tod der Geiseln mit zu verantworten haben, so grotesk beschämend ist das Verhalten deutscher Behörden und Politik(er), die über Jahrzehnte jeden Aufklärungsversuch der Angehörigen abblockten, Untersuchungen verhinderten oder zumindest verschleppten.

Donnerstag, Juni 28, 2012

_Blank

F.J. Wagner "Dieser Donnerstag ist ein besonderer Tag. Wir wachen auf und wissen nichts." Andere nennen das Alltag (Alternativ: Karneval, Finanzpolitik, Abschlussprüfung).

Mittwoch, Juni 20, 2012

Terror der Tugend

Diese Woche sind in der ZEIT Martenstein Festspiele. Im Artikel zum Titel lässt sich der Kolumnist (mal wieder) zum Terror der Tugend aus und beschreibt anhand einer kaum enden wollenden Liste von Beispielen, wie der Zwang zur Moral, die digital verstärkte permanente Beobachtung und Dauerkommunikation Fehlleistungen gnadenlos bestraft und fragt, ob unter solchen Bedingungen eigentlich noch die Besten oder nicht lediglich die Cleversten oder die Bravsten nach vorne kommen.

In einer Welt voller digitaler Blockwarte halten sich alle gegenseitig in der Geiselhaft permanenter Sanktionsbereitschaft. So wird sichergestellt, dass niemand mehr als man selber hat, sich mehr herausnimmt, traut. Das ist nicht nur nervig im privaten, sondern hat auch politische Folgen, wenn es - wie Martenstein zeigt - System und Infrastruktur wird. Wer es komplizierter haben will kann das bei Foucault nachschlagen: Der restriktive, die Abweichung bestrafende Staat - unter dessen Fuchtel das der Freiraum individueller Abweichung wenigstens noch denkbar ist - wandelt sich zum Erziehungsstaat, der durch viele Maßnahmen das Handeln und Denken der Menschen lenkt und die "richtige Einstellungen" hervorzubringen versucht, bis am Ende kein Gefängnis, keine Strafe mehr nötig ist, weil alle nur das wollen und tun, was sie wollen und tun sollen.

Aber - ist das dann noch eine Welt, in der man leben will?

Abgesehen davon schreibt Martenstein wie jede Woche eine famose Kolumne, diesmal über Berlin, die Stadt in der NIX klappt!

Sonntag, Mai 06, 2012

Wohlfühlsymbolik mit hohem Heucheleiquotienten

In der ZEIT kommentiert Josef Joffe das allfällige Gequake rund um die Fußball EM, der "die Politik" fernbleiben solle, um damit gegen den Umgang mit Julia Timoschenko zu protestieren und das Land unter Druck zu setzen. Ui, ui, ui - einige Bundestagsnasen verzichten auf ihren Gratisplatz im Stadion. DAS wird die Ukraine sich in die Knie zwingen. Wenn die Masche wirkt, kann man sie ja weiterentwickeln: Um Syrien kleinzukriegen, verzichtet die Bundestagskantine jetzt darauf, neben Pudding, Muffins und Yoghurt noch einen vierten Nachtisch anzubieten. "Mal sehen, wie Assad DAS >schmeckt<", erklärt der Chefkoch entschlossen.

Joffe schreibt das, was jeder weiß:
"Ist Sport das Instrument, um die Schurken Mores zu lehren? Nicht, wenn sie groß und stark sind. China hat mindestens so viel auf dem Kerbholz wie die Ukraine, aber den Giganten wollen wir nicht reizen, und alle, alle kamen nach Peking. (...) Politik und Sport sind zweierlei Geschäft. Die Funktionäre können Politik nicht, wollen es auch nicht. Ihre Interessen sind Werbeeinnahmen und glückliche Athleten. Politik hat mit Werten, aber vorweg mit Mitteln und Konsequenzen zu tun, ein Metier, das gelernt werden muss, wie die Piraten stündlich beweisen.Politik ist es, wenn Joachim Gauck, der erste Mann im Staate, absagt. Politik ist es, wenn sich Washington und Berlin für Timoschenko einsetzen, aber die ist nur eine von vielen Geschundenen. Deshalb wären handfeste EU-Sanktionen das Mittel der Wahl. Eben Politik, nicht Wohlfühlsymbolik mit hohem Heucheleiquotienten (vergleiche China), die es dem Despoten erlaubt, sich in das Mäntelchen des Nationalstolzes zu hüllen und das Volk abzulenken. Vor allem heißt Politik, Öffentlichkeit herzustellen; deshalb für jeden Fußballreporter zwei politische entsenden, die berichten, wie die ukrainische Demokratie demontiert wird. " (ZEIT)