Dienstag, Juni 12, 2007

ADAC Stauengel

Ich will nicht unter einer Decke an einer Autobahn liegen, wo mein Tod einen Stau verursacht. F.J. Wagner

Ontologie

Ich bin ein dunkelfeuchter Fleck. F.J. Wagner

Die etwas andere Meinung

"Jesus ist eine der schillerndsten Personen der Weltgeschichte." Internetseite jesus.de

Montag, Juni 11, 2007

Have Mercy

Grausamkeit hat viele Gesichter



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Richard Rorty ist tot

Richard Rorty ist am Freitag, 8. Juni, im Alter von 75 Jahren an Krebs gestorben.

Design Alarm: Richard Rortys Homepage an der Universität Stanford.

Richard Rorty bei Wikipedia
Richard Rorty ist tot
bei reticon
Philosophie gegen Lachfeinde in der Süddeutschen Zeitung
Vom Grübeln zum Handeln in der Taz
Mitleid kann man lernen im Tagesspiegel
Bush Gegner und amerikanischer Patriot beim Deutschlandfunk
Mistrauen als erste Bürgerpflicht in der Frankfurter Rundschau

Literatur
Rorty zur Einführung von Walter Reese-Schäfer

Scheiße, Verzweiflung, Illusion

"Klose schoss uns damals aus der Scheiße und heute ist er ein Verzweifelter. Es gibt noch mehr Wracks vom Sommermärchen: Poldi und Schweini. Eigentlich ist das Sommermärchen eine Illusion." F.J. Wagner

Wenn Wagner so schreibt, fühlt man sich an Helge Schneiders unübertroffenes Hörspiel erinnert, bei dem ein Sportreporter den 120m-Läufer "Tony Marshall" mit den Worten anmoderiert: "Zeit. Schönheit. Militär. Mädchen - Tony Marshall!"

Nur bei Helge ist es Kunst.

Monday Safety Net

Sonntag, Juni 10, 2007

Trailershow

Sonntags, wenn alle Zeit und nichts vor haben ist bekanntermaßen das TV Programm am Schlechtesten. Zum Glück gibt es YouTube und die Trailer-Show auf APPLE.

Komödie
No reservations. Die Amerikaner haben BELLA MARTHA mit Catherine Zeta-Jones und Aaron Eckhart nachgedreht.

You kill me mit der famosen Tia Leoni (großartig in Spanglish), dem immergleichen Luke Wilson und SIR Ben Kingsley in einer Variation seines Don Logan aus Sexy Beast

The Boss of it all ausgerechnet von dem, zuletzt von Depressionen geplagten Lars "Breaking the Waves" von Trier kommt diese schräge Komödie.

I pronounce you Chuck and Larry. Adam Sandler und Kevin James geben vor ein schwules Paar zu sein, um die Pension zu sichern. Jessica Biel taucht auf und es geschehen alle vorhersehbaren "ich muss so tun als ob ich schwul bin, dadurch darf ich die Maus in Unterwäsche sehen aber nicht anfassen" Späße. Tausden mal gesehen (z.B. gar nicht mal so schlecht in dem häufig DVD Rekordern kostenlos beigelegten Three to tango)

Blind Dating. Ein blinder attraktiver junger Mann, noch Jungfrau geht auf hihihi Blind Dates... mehr muss man nicht wissen.

Kickin it old Skool. Mit Jamie Kennedy. Als Kind fällt Justin Schumacher beim Breakdance von der Bühne und ins Koma. Als er 20 Jahre später wieder aufwacht, hat die Welt sich verändert. Pumphose und Schulterpolster sind out, seine kleine Freundin ist eine Frau und er immer noch ein Kind. Hat man den Trailer gesehen, kann man sich die vorhersehbaren Scherze selber erzählen. Andererseits - dies ist nicht die Sorte Film, die man schaut, weil man etwas Neues erfahren will, sondern weil man die Variation eines vertrauten Musters erleben will, die einen unterhält, ohne mit Fremden zu konfrontieren.

Colour me Kubrick. Der immer schräge John Malkovich als Obdachloser, der sich als Stanley Kubrick ausgibt.

The Nanny Diaries. Kann man noch ins Kino zu gehen, ohne dass einem Scarlett Johansson entgegenglotzt? Aber auch mal interessant zu sehen, wie Laura Linney geschminkt aussieht

Blood-Killer-Comedy

Severance. Mit Tim "Captain Darling" McInnery. Eine Gruppe Angestellter begibt sich auf "teambuilding holidays" und werden in den Wäldern von einem Hackebeil-Mörder dezimiert. Blutig. Lustig.

The Tripper. Von David "Der Polizist aus den SCREAM Filmen" Arquette. Ein reaktionärer Axtmörder gibt während eines Hippifestivals in einem Wald ordentlich Gas, um seiner Vorstellung von Recht und Ordnung Nachdruck zu verleihen.

FIDO. Nach einer großen Katastrophe, in der einige Menschen zu Zombies wurden, leben die übriggebliebenen Menschen in einer 50er-Jahre ähnlichen Idylle mit den domestizierten Zombies, die für sie die Hausarbeit erledigen. SCHRÄG!

Quality
The Hawk is dying mit Paul " Giamatti

Diggers. A funny, heartfelt 70s era period piece set in the still-unspoiled Hamptons area of Long Island, DIGGERS is the story of two generations of hard-living clam diggers trying to maintain their way of life in the midst of the enormous changes swirling around them. Mit Maura Tierney, Paul Rudd, u.a.

An unreasonable Man. Doku über Ralph Nader

In the land of women. Mit Adam Brody, der in seinem Kurzauftritt in THANK YOU FOR SMOKING überragend war.

Eagle vs. Shark chronicles the quirky romance of two awkward misfits, Lily (Loren Horsley), a shy fast-food restaurant cashier, and her crush, Jarrod (Jemaine Clement), an electronic store clerk. On the day Lily gets fired from her job at Meaty Boy, she musters up the courage to attend Jarrod’s annual “come as your favorite animal” costume party. The dressy affair sparks the beginnings of a romance as well as a small journey for the pair to Jarrod’s quiet hometown.

Guilty Pleasures

Die Hard 4.0. Yippie-kaeee..motherf... Der Trailer sieht mehr nach True Lies meets Mission Impossible auf Speed aus, aber - was soll's?

The Fantastic Four. Rise of the Silver Surfer. So sue me: Ich fand den ersten Teil schon ok.

Rush Hour 3.

Ocean's 13.

Genua 2001 unvergessen

Während Chefparanoiker Schäuble mit immer neuen bizarren Vorschlägen die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit und den Abbau von Bürgerrechten betreibt, um gerade diese vorgeblich zu schützen und dabei vor abstrusesten konstruierten Szenarien nicht zurückschreckt, muss man nicht so weit weg und zeitlich so weit zurückgehen, um sich ein Bild davon zu machen, wie ein Staat aussieht, der sich aufrüstet, um eine Gefahr zu bekämpfen, die entweder in der Form nicht besteht, bzw. von diesem selbst inszeniert wird, um die eigenen Maßnahmen zu rechtfertigen und also v.a. eine Projektion der eigenen Ängste und Wahnvorstellungen ist.


Bei den Protesten rund um den G8-Gipfel in Genua 2001, tötete ein 20jähriger Polizist den 23jährigen Demonstranten Carlo Giuliani mit einem Kopfschuss, als dieser ihn mit einem Feuerlöscher angriff. Dies war der Tiefpunkt gewalttätiger Exzesse, bei denen v.a. die Polizei durch brutalstes Vorgehen gegen friedliche Demanstranten auffiel, während sie sich beim gewalttätigen "schwarzen Block", der in der Stadt Autos und Geschäfte anzündete, auffallend zurückhielt.

Chilenische Zustände

Kein Wunder. Fernsehbilder zeigen, wie Mitglieder des schwarzen Blocks immer wieder mit Polizisten beraten, ganze Brigaden kommandieren. Auch sind zivile Personen zu sehen, die in gesperrten Polizeizonen ein und ausgehen, sich aus LKWs mit Eisenstangen und Anti-G8-T-Shirts "verkleiden".


Fernsehbilder und Augenzeugenberichte belegen, dass Gewalttaten des schwarzen Blocks von Polizisten mit betrieben, gesteuert und geschürt wurden, vermutlich um die Proteste gegen den G8-Gipfel insgesamt zu diskreditieren (In dem Zusammenhang auch interessant: Zivilpolizisten unterwandern den "schwarzen Block" und versuchen, andere Demonstranten zu Straftaten an zu stiften im ZEIT-Weblog), die Panikmache vor dem Gipfel, bei den Demonstranten handle es sich um gewaltbereite Chaoten, zu untermauern, und den 20.000 hochgerüsteten Polizisten einen Anlass zum brutalen Durchgreifen zu geben - allerdings nicht gegen die Gewalttäter, sondern gegen friedliche Demonstranten, darunter Frauen und Jugendliche. Auch Ärzte, Sanitäter und Journalisten werden zusammgeschlagen, getreten. Am Boden liegende, die Hände erhebende Demonstranten werden ebenso von Gruppen gegen Kopf, Arme und Körper getreten, wie Verletzte. Ob sie dabei von Fernsehkameras gefilmt werden, ist den Schlägertrupps gleich.

Journalisten, die verhaftet wurden berichten von Polizeistationen, in denen neben Pornokalendern Portraits von Mussolini hingen. Sie wurden geschlagen, mishandelt, sexuell erniedrigt. Im Lager der Polizisten wurde bei der Nachricht des Todes von Carlo Giuliani gejubelt, mit Sekt auf "das erste Opfer des Krieges" angestoßen und faschistische Lieder gesungen.

Nach Ende des Gipfels, lange als die Demonstrationen aufgehört haben und viele schon auf dem Heimweg sind, überfällt die Polizei eine Schule, in der viele Demonstranten während des Gipfels einen Schlafplatz gefunden hatten. Mehrere hundert Polizisten einer Spezialtruppe stürmen die Schule und prügeln auf die zum Teil bereits in ihren Schlafsäcken liegenden Mensche ein, darunter auch viele Deutsche, wie z.B. eine 62jährige Frau aus Bremen.


Verhaftete wurden im Gefängnis Bolzaneto systematisch verprügelt, gefoltert und erniedrigt. Auf dem Weg vom Polizeiwagen zum Gefängniseingang, mussten die Verhafteten gebückt durch ein Spalier von Polizisten, die sie mit Stockschläge, Fußtritten und Fausthieben traktierten. Zigaretten wurden an den Verhafteten ausgedrückt. Sie wurden gezwungen, faschistische Lieder zu singen.

Die Dokumentation „Die Story - Gipfelstürmer” des WDR vom 24. Juli 2002 belegt mit zuvor unveröffentlichten Bilddokumenten die Menschenrechtsverletzungen von Seiten der in Genua vorgegangenen Sicherheitspolizei. Sie wurde mit dem Deutschen Fernsehpreis als beste Dokumentation 2002 ausgezeichnet.

Bei Google-Video ist der WDR-Dokumentarfilm Gipfelstürmer vollständig abrufbar.

Die Doku ist nichts für schwache Nerven. Nicht nur wegen der dokumentierten Brutalität. Es treibt einem Tränen der Wut und Empörung in die Augen, zu sehen, wie mitten in Europa eine entfesselte, faschistische Soldateska unter den Augen der Weltöffentlichkeit wüten kann.

Das auch nur ein Politiker/in, der/die sich Demokrat/in nennt, es fertig bringt, Berlusconi die Hand zu schütteln, ohne sich vor Übelkeit übergeben zu müssen, macht fassungslos.

Andererseits - wir leben auch in einem Land, dessen Bundeskanzler Vladimir Putin einen "lupenreinen Demokraten" nannte.

Wer aber vom Samstag nicht reden will, soll auch vom Sonntag schweigen!

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