Montag, März 25, 2013
Sonntag, März 24, 2013
Märchenstunde
Beim wühlen in alten Unterlagen gefunden: In der ZEIT findet sich ein tiptop geschriebener Beitrag über die australische Stahl-Unternehmerin Gina Rinehart. Die spannende Geschichte der reichsten Frau der Welt ist packend geschrieben, Sachinformationen,
Charakterstudie und sprachliche Form gehen in der für DIE ZEIT typischen
Qualität eine Verbindung ein.
Bei der Geschichte der argwöhnischen Milliardärin, die durch spektakuläre Prozesse gegen die eigenen Kinder, ihre Unterstützung von Klimawandel-Leugnern und bizarre Auftritte vor Gericht von sich reden macht, fühlt man sich an Howard Hughes oder Citizen Kane erinnert: Rätselhafte Figuren, deren unermesslichem Reichtum mit tiefer Einsamkeit einhergeht.
Sollte die Biografie Rineharts einmal verfilmt werden, empfiehlt sich Peter Jackson, der lange vor seiner Tolkien-Bombast-Phase mit "Heavenly Creatures" bewiesen hat, dass er das feine Psychogramm beherrscht. Die Hauptrolle MUSS natürlich Marianne Sägebrecht spielen.
In dem ZEIT Artikel wird die australische Zeitung „THE AGE“ ein einziges Mal als Quelle genannt („Werbeunternehmer John Singleton, jahrzehntelang mit der Familie Hancock befreundet, sagte der australischen Zeitung The Age...“).
Ansonsten erweckt der Beitrag weitgehend den Eindruck, als sei der Artikel in der vorliegenden Form der Autorin höchstselbst aus der Feder geflossen.
An sich ist es nicht problematisch, wenn vorhandene Quellen ausgewertet und verwendet werden. Wenn man, wie im vorliegenden Fall, den Eindruck bekommen muss, ein Artikel hinsichtlich seiner Struktur, Inhalt und Formulierungen größtenteils auf einem anderen Artikel basiert und dies nicht gekennzeichnet ist, scheint dies – gerade in der Post-Guttenberg-Zeit – mindestens bedenklich.
Auf Nachfragen bei der ZEIT bestritt die Autorin die Unterstellung. Sie verwies darauf, dass es in der Natur der Sache liege, dass Journalisten, wenn sie einen Stoff recherchierten, sich notwendig auf dieselben Quellen bezögen und identische Stationen abarbeiteten.
Klingt logisch: Vermutlich ist es dann unvermeidbar, dass verschiedene Artikel dieselben Anekdoten in derselben Abfolge berichten und bis in Wortwahl und Satzbau identische Erzählweisen wählen.
Bei der Geschichte der argwöhnischen Milliardärin, die durch spektakuläre Prozesse gegen die eigenen Kinder, ihre Unterstützung von Klimawandel-Leugnern und bizarre Auftritte vor Gericht von sich reden macht, fühlt man sich an Howard Hughes oder Citizen Kane erinnert: Rätselhafte Figuren, deren unermesslichem Reichtum mit tiefer Einsamkeit einhergeht.
Sollte die Biografie Rineharts einmal verfilmt werden, empfiehlt sich Peter Jackson, der lange vor seiner Tolkien-Bombast-Phase mit "Heavenly Creatures" bewiesen hat, dass er das feine Psychogramm beherrscht. Die Hauptrolle MUSS natürlich Marianne Sägebrecht spielen.
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| Foto links: WDR Foto rechts Bloomberg/Guardian |
Recherchiert man etwas über Gina Rinehart, findet man nur wenige Mausklicks später den Artikel THE IRON LADY (sic!) in der australischen Zeitung THE AGE.Auf den ersten Blick fällt auf, dass der Einstieg des AGE-Artikels mit dem Beitrag der ZEIT identisch scheint. Bei der weiteren Lektüre der Reportage der australischen Zeitung fallen weitere Formulierungen, Sätze und ganze Passagen auf, die wortwörtlich übersetzt/übernommen worden zu sein scheinen.
In dem ZEIT Artikel wird die australische Zeitung „THE AGE“ ein einziges Mal als Quelle genannt („Werbeunternehmer John Singleton, jahrzehntelang mit der Familie Hancock befreundet, sagte der australischen Zeitung The Age...“).
Ansonsten erweckt der Beitrag weitgehend den Eindruck, als sei der Artikel in der vorliegenden Form der Autorin höchstselbst aus der Feder geflossen.
An sich ist es nicht problematisch, wenn vorhandene Quellen ausgewertet und verwendet werden. Wenn man, wie im vorliegenden Fall, den Eindruck bekommen muss, ein Artikel hinsichtlich seiner Struktur, Inhalt und Formulierungen größtenteils auf einem anderen Artikel basiert und dies nicht gekennzeichnet ist, scheint dies – gerade in der Post-Guttenberg-Zeit – mindestens bedenklich.
Auf Nachfragen bei der ZEIT bestritt die Autorin die Unterstellung. Sie verwies darauf, dass es in der Natur der Sache liege, dass Journalisten, wenn sie einen Stoff recherchierten, sich notwendig auf dieselben Quellen bezögen und identische Stationen abarbeiteten.
Klingt logisch: Vermutlich ist es dann unvermeidbar, dass verschiedene Artikel dieselben Anekdoten in derselben Abfolge berichten und bis in Wortwahl und Satzbau identische Erzählweisen wählen.
Samstag, März 23, 2013
UNeingeschänkt
FAZ: Ihre Einschätzung zum Fall Brüderle?
Harald Schmidt: Jeder, der mit Journalisten zu tun hat, weiß, dass uneingeschränkte, ich wiederhole: uneingeschränkte Solidarität mit Rainer Brüderle vonnöten ist. Ich jedenfalls würde meine Hand für ihn ins Dekolleté legen. Warum geht eine Journalistin, und ich hoffe, man hört die Anführungszeichen, um zehn Uhr abends in die Bar? Jedenfalls nicht, um zu fragen: „Sind die Menschenrechte in Usbekistan weit genug im liberalen Sinn?“ Sondern in der Hoffnung, der Angesoffene sagt den Satz, den er besser nicht gesagt hätte. Das wissen wir Jungen, unser Weinfest-Oldie weiß es nicht, weil er noch in so ’ner Charmewelt lebt, in der Thomas-Mann-artige Begriffe wie „Tanzkarte“ zum Einsatz kommen. Das einzige, was mich an dem Fall entsetzt hat: dass die Hotelpartei FDP im Maritim wohnen muss.
"ein Ehrentitel dieser ältesten deutschen Partei"
Heute vor 80 Jahren setzten die Nazis das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" durch. Das sogenannte "Ermächtigungsgesetz" beseitigte die verfassungsmäßige Gewaltenteilung. Die Regierung erhielt das Recht, Gesetze ohne Mitwirkung der Volksvertretung und des Reichsrates zu erlassen.
Um das Gesetz durchzubringen, musste die Regierung zunächst die Beschlussfähigkeit feststellen: Die 81 Abgeordneten der kommunistischen Fraktion waren bereits in Haft oder auf der Flucht. Rechtswidrig erklärte Reichstagspräsident Hermann Göring die angeblich unentschuldigt Fehlenden gleichwohl für anwesend. Damit wurde die Beschlussfähigkeit des Reichstages festgestellt. Eine Vorahnung für die Entschlossenheit der neuen braunen Herren, ihre Ziele zu erreichen und dafür jedes Mittel anzuwenden.
Die bürgerlichen und konservativen Parteien ließen sich von Hitler einlullen bzw. einschüchtern (Vor der nach dem Reichstagsbrand ersatzweise als Parlamentsgebäude fungierenden Krolloper standen SA und SS Männer im Spalier und machten für die Abgeordneten den Gang ins Parlament zum Spießrutenlauf. Auch im Parlamentsgebäude, sogar im Plenarsaal hielten sich gesetzwidrig, bewaffnete SA und SS Männer auf und bildeten eine einschüchternde Drohkulisse) und verließen sich auf seine Versprechungen, etwa die Stellung des Reichspräsidenten oder der Kirchen unangetastet zu lassen.
Einzig die 94 Abgeordneten der SPD stimmten gegen das Gesetz. Für die Sozialdemokraten sprach Otto Wels. Es sollte die letzte freie Rede eines Demokraten in Deutschland für die nächsten 12 Jahre sein:
Um das Gesetz durchzubringen, musste die Regierung zunächst die Beschlussfähigkeit feststellen: Die 81 Abgeordneten der kommunistischen Fraktion waren bereits in Haft oder auf der Flucht. Rechtswidrig erklärte Reichstagspräsident Hermann Göring die angeblich unentschuldigt Fehlenden gleichwohl für anwesend. Damit wurde die Beschlussfähigkeit des Reichstages festgestellt. Eine Vorahnung für die Entschlossenheit der neuen braunen Herren, ihre Ziele zu erreichen und dafür jedes Mittel anzuwenden.
Die bürgerlichen und konservativen Parteien ließen sich von Hitler einlullen bzw. einschüchtern (Vor der nach dem Reichstagsbrand ersatzweise als Parlamentsgebäude fungierenden Krolloper standen SA und SS Männer im Spalier und machten für die Abgeordneten den Gang ins Parlament zum Spießrutenlauf. Auch im Parlamentsgebäude, sogar im Plenarsaal hielten sich gesetzwidrig, bewaffnete SA und SS Männer auf und bildeten eine einschüchternde Drohkulisse) und verließen sich auf seine Versprechungen, etwa die Stellung des Reichspräsidenten oder der Kirchen unangetastet zu lassen.
Einzig die 94 Abgeordneten der SPD stimmten gegen das Gesetz. Für die Sozialdemokraten sprach Otto Wels. Es sollte die letzte freie Rede eines Demokraten in Deutschland für die nächsten 12 Jahre sein:
"Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht. (...) Nach den Verfolgungen, die die Sozialdemokratische Partei in der letzten Zeit erfahren hat, wird niemand von ihr billigerweise verlangen und erwarten können, dass sie für das hier eingebrachte Ermächtigungsgesetz stimmt."""Dieses Nein zum Ermächtigungsgesetz, als alle anderen Parteien dafür stimmen, dieses Nein ist ein Ehrentitel dieser ältesten deutschen Partei!" Heinrich-August Winkler, Historiker.
Freitag, März 22, 2013
Didudeldö
"Liebe Freunde vom Deutschlandfunk,
| Foto: phre3a |
with...Sax and Sex"stammt). Horror!
Könnt Ihr das bitte einmotten?"
Vielleicht werden die Songs aber auch LIVE eingespielt?
The white Column
Farbenlehre mit Lehrer Wagner: "Ich hasse die Farbe Weiß. Sie ist eine unbunte Farbe."
Mittwoch, März 20, 2013
Dienstag, März 19, 2013
Inauguration
| Foto:asifthebes |
Montag, März 18, 2013
Flughöhe
Unlängst gab es im Deutschlandfunk eine Diskussionsrunde zur Herausforderung, die sich aus dem EU Beitritt Rumäniens und Bulgariens für deutsche Städte und Gemeinden und die in Folge einsetzende Armutsmigration ergibt.
Da diskutierten Hans Peter Uhl (innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU), Birgit Zoerner (Sozialdezernentin der Stadt Dortmund), Birgit Sippel (SPD Europa-Abgeordnete) und Robert Schwartz (Leiter der Rumänienredaktion der deutschen Welle).
Dabei fiel nicht zuletzt die Flughöhe auf, in der sich ein Berlin-Politiker wie Uhl über den konkreten Auswirkungen, die politische Entscheidungen "vor Ort" (alternativ: "draußen im Land") erzeugen. Auffallend, wie offensichtlich Uhl in der Sache nicht informiert oder orientiert ist, wie sehr er nicht weiß und daher nicht zu benennen vermag, was sich hinter Allgemeinplätzen wie "Belastung für die Städte und Gemeinden" konkret verbirgt (Wie umgehen mit Menschen, die nicht Krankenversichert sind? Wie mit den schulpflichtigen Kindern umgehen? Wie mit dem Müll und der Verwahrlosung umgehen, die im Umfeld der Migranten für sozialen Unfrieden sorgen? usw.); was es bedeutet, sicherzustellen, dass das Schiff einer Stadt nicht kentert, wenn der soziale Wellengang es derartig hin und her schütteln.
Die Kluft zwischen den Allgemeinplätzen Uhls und der klaren Benennung der wirksamen Effekte politischer Makroentscheidungen wie sie Dortmunds Sozialdezernentin deutlich wird, ist bezeichnend.
Da diskutierten Hans Peter Uhl (innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU), Birgit Zoerner (Sozialdezernentin der Stadt Dortmund), Birgit Sippel (SPD Europa-Abgeordnete) und Robert Schwartz (Leiter der Rumänienredaktion der deutschen Welle).
Dabei fiel nicht zuletzt die Flughöhe auf, in der sich ein Berlin-Politiker wie Uhl über den konkreten Auswirkungen, die politische Entscheidungen "vor Ort" (alternativ: "draußen im Land") erzeugen. Auffallend, wie offensichtlich Uhl in der Sache nicht informiert oder orientiert ist, wie sehr er nicht weiß und daher nicht zu benennen vermag, was sich hinter Allgemeinplätzen wie "Belastung für die Städte und Gemeinden" konkret verbirgt (Wie umgehen mit Menschen, die nicht Krankenversichert sind? Wie mit den schulpflichtigen Kindern umgehen? Wie mit dem Müll und der Verwahrlosung umgehen, die im Umfeld der Migranten für sozialen Unfrieden sorgen? usw.); was es bedeutet, sicherzustellen, dass das Schiff einer Stadt nicht kentert, wenn der soziale Wellengang es derartig hin und her schütteln.
Die Kluft zwischen den Allgemeinplätzen Uhls und der klaren Benennung der wirksamen Effekte politischer Makroentscheidungen wie sie Dortmunds Sozialdezernentin deutlich wird, ist bezeichnend.
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