Mittwoch, April 16, 2014

Wer, wenn nicht Hoeneß?

Guter Kommentar in der Mitteldeutschen Zeitung

"Interessant ist vor allem, dass Hoeneß beteuerte, in den vergangenen Jahren fünf Millionen Euro gespendet und im letzten Jahrzehnt 50 Millionen Steuern gezahlt zu haben: „Ich bin kein Sozialschmarotzer.“ Das ist eine kühne Behauptung. Einer, der 50 Millionen Euro Steuern zahlt und damit 18,5 Millionen weniger, als er zahlen müsste, einer, der fünf Millionen Euro spendet und damit 13,5 Millionen Euro der Beute für sich behält, darf durchaus als Sozialschmarotzer angesprochen werden. Es ist ein Rätsel, warum dieses Wort in Deutschland vorzugsweise dann – vor allem im Milieu von Hoeneß – verwendet wird, wenn es darum geht, die Schwarzarbeit eines Hartz-IV-Empfängers zu geißeln. Betrügt aber einer den Staat um die achtfache Summe dessen, was ein Akademiker zeit seines Lebens verdient, dann fühlt er sich durch den Begriff in seiner Ehre angetastet. Sozialschmarotzer? Wer, wenn nicht Ulrich Hoeneß."

Fisten für den Standortfaktor

Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit für die Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin: Diedrich Diederichsen im Interview mit TIP BERLIN zu seinem neuen Buch.
Womit der Hipster zum Dienstleister des Standortmarketings geworden wäre, der die Stadt zwecks Hebung der Attraktivität für Investoren und Touristen mit seinem pittoresken Auftreten schmückt.
Das war ja schon bei den Bohemiens von Montmartre vor 120 Jahren ähnlich. Wir haben in Köln einmal das "Ministerium für das Pittoreske" gegründet. Als die Junkies aus der Innenstadt vertrieben werden sollten, haben wir gesagt, die Junkies seien in Wirklichkeit Angestellte des "Ministeriums für das Pittoreske" und müssten daher Schutz genießen.

Deshalb dürfen die Clubs auch nicht drogenfrei werden, wenn Berlin für Touristen und Investoren attraktiv bleiben will. Fisten im Berghain und Koksen auf den Club-Toiletten ist harte Arbeit an der Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Berlin?
Natürlich nicht nur, das macht ja auch Spaß. Aber klar, in gewisser Weise ist auch das Arbeit. Aber so schlau zynisch, das so zu sehen, ist natürlich niemand in der Berliner Senatskanzlei. Der Kapitalismus, der von diesen Prozessen profitiert, muss am Ende diese kreativen Milieus aus den guten Stadtlagen vertreiben, auch wenn damit Gründe, nach Berlin zu ziehen und hier zu investieren, wegfallen. Er muss sie vertreiben, in der Hoffnung, dass sie irgendwo anders hinziehen und dann in Marzahn eine neue Form von Subkultur-Attraktivität herstellen.

Nuttentour des Greises

"Wer keinen Rucksack trägt, keinen ausgefransten Pullover zu Fetzenjeans, sondern nur normal angezogen ist, ist eben ein Dandy."Liebevoll-begeisterte Rezension der Tagebücher 2002-2012 von Fritz J. Raddatz in der ZEIT.

Schamverlust und Peinlichkeitskultur

In der ZEIT findet sich ein teilweiser Vorabdruck des Buchs "Schamverlust" von ZEIT-Redakteur Ulrich Greiner.
"Im Gegenzug zur Sexualisierung und Pornografisierung hat sich ein neuer Puritanismus eingeschlichen, der alles, was die Leistungsfähigkeit einschränken könnte, unter die Strafe der Peinlichkeit oder gar des schuldhaften Versagens stellt. Gesundheit ist die neue Religion des Zeitalters, und wer sich ihrem Diktat verweigert, indem er dem Genuss des Rauchens, Trinkens oder Essens bedenkenlos frönt, macht eine peinliche Figur und sich selber unmöglich. Der Keuschheitsgedanke ist ausgewandert in jene Selbstkasteiung, die sich in der Magersucht und im body shaping des Fitness-Kults Ausdruck verschafft. Die Askese ist zurückgekehrt, in utilitaristisch verkürzter Form."

Donnerstag, April 10, 2014

Letterman is for cat people

Im New Yorker analysiert Joshuar Rothman aus Anlass seines angekündigten Rückzugs den Humor von US Latenight-Host David Letterman.
"Late-night TV is all about suspending the rules of everyday life; the premise is that every night, even a weeknight, can be special. Letterman’s humor centers on the opposite idea, that every day is just a day like any other. It acknowledges that the rules of adulthood can never really be suspended. That’s why, while other hosts turn their studios into glamorous fantasy lands, Letterman treats his like an office."

Montag, März 24, 2014

Charaktertest-Journalismus

"Es handelt sich um einen publizistischen Enthemmungsmechanismus und ein Genre der gezielten Personenkritik, die die Matrix zur Bewertung des Politischen zugunsten des Persönlichen und Moralischen hinter sich gelassen hat"

In der ZEIT kritisiert Bernhard Pörksen, 45, ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, eine Textsorte, die man selbst doch ganz gerne liest: Das Charakterportrait. Dabei würden
"die eigenen Übergriffe als dringend gebotenen Entlarvungsauftrag maskiert und möglichst missgünstig interpretierte Details zum schwerwiegenden Persönlichkeitsbefund um(ge)deutet. (...) Ein paar Zitate, eine suggestiv aufbereitete Szene, die systematische Nichtberücksichtigung bei der Hustenbonbonverteilung – und schon gerät die subjektive Beschreibung irgendwelcher Details zum scheinobjektiven Totalurteil über eine Person, zum Instrument einer schmutzigen Psychologie, die bei genauer Betrachtung von der These lebt."

Donnerstag, Januar 30, 2014

One word a day

"People are more violently opposed to fur than leather because it's safer to HARASS rich women than motorcycle gangs."

Alexei Sayle

Mittwoch, Januar 29, 2014

Moderat

Dienstag, Januar 28, 2014

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

taz: Viel Kritik einstecken musste Markus Lanz für seinen Talk mit Sahra Wagenknecht. Der Twittertag #aufschrei ist vergeben. Welcher böte sich an?

Küppersbusch: Zwecklos. Schon diesmal wollten 2 Mio. weniger Markus Lanz beim Krötenfressen zusehen als den genuinen Dschungelinsassen nebenan bei RTL. Wenn der Rummel auch ein PR-Konzept für „Wetten, dass . . ?“ gewesen sein sollte, ging es nach hinten los. Wagenknecht könnte als Wette anbieten, 20 Fragen von Markus und Uli auszuhalten, ohne in die Deko zu kotzen.

(Quelle: taz)




Dienstag, Januar 14, 2014