Sonntag, März 29, 2015
Mittwoch, März 25, 2015
Sonntag, März 22, 2015
In der Jauchgrube
"Eine der überschätztesten Personen in Deutschland" Jens Bergmann, geschäftsführender Redakteur bei BRAND EINS sagt selbstverständliche Dinge über Günther Jauch (und die Mechanik medial vermittelter Öffentlichkeit in Deutschland).
Freitag, März 20, 2015
Der Macht den Mittelfinger zeigen
Zum "Mittelfinger-Skandal" um den griechischen Finanzminister Varoufakis schreibt Srećko Horvat in der SZ. Horvat hatte Varoufakis 2013 als Leiter eines Festivals zu einem Vortrag eingeladen, von dem ein Video existiert, auf dem die inkriminierte Geste zu sehen ist.
"Wir sehen uns hier mit einer neuen Form des Kapitalismus konfrontiert, die am besten als "Semio-Kapitalismus" beschrieben werden könnte. Das ist ein Kapitalismus, der durch die Akkumulation und Interpretation von Zeichen funktioniert. Nehmen wir das folgende Beispiel: Sobald Syriza in Griechenland an die Macht kam, konzentrierten sich die meisten Kommentare, auch die der seriösen Medien, darauf, dass Tsipras keine Krawatte umgebunden hat und Varoufakis eine Lederjacke trägt. [...] Warum und wie wurde ein Mittelfinger zu einem Symbol historischen Ausmaßes? Es liegt an jenem "Semio-Kapitalismus", der es so einfach macht, von wichtigen Fragen abzulenken, ja diese sogar auszulöschen. Es ist kinderleicht, Varoufakis' Glamour-Bilder in Paris Match zu kritisieren oder seinen Mittelfinger, aber es ist unmöglich, eine ernsthafte Diskussion über Griechenlands Forderungen nach deutschen Kriegsreparationen zu führen. Es ist einfach, über Tsipras' Kleidungsstil zu reden, aber es ist immer noch nicht möglich, ernsthaft über die größte Schuldentilgung des 20. Jahrhunderts zu diskutieren, bei der den Deutschen im Zuge des Londoner Abkommens 62 Prozent ihrer Schulden erlassen wurden."
Montag, März 16, 2015
Donnerstag, März 12, 2015
Montag, März 02, 2015
Freitag, Februar 27, 2015
"Stil braucht Lässigkeit" - Zum Tod von Fritz J. Raddatz
"Als ich zu Toni Morrison nach Princeton fuhr, hatte ich ziemliches Muffensausen: Würde sich die schwarze Diva des amerikanischen Literaturwesens einem Weißen aus Deutschland öffnen? Kriege ich die Auster auf? Ich brachte ihr einen Riesenstrauß weiße Gardenien mit, die Blume von Billie Holiday. Und siehe da, it worked beautifully. Das Interview ging um die Welt. Als Belohnung für meine Angst habe ich mir in New York eine Tiffany-Lampe gekauft, die ich mir nicht leisten konnte. Wenn ich sie heute anschaue, sehe ich Toni Morrison und nicht Tiffany. So lebe ich mit den Dingen, und deswegen helfen sie mir gegen Bedrückungen und die Schatten, die sich um mich rumwickeln.
Das ist nicht zu verstehen für Menschen, die den Pizza-Boten anrufen und sich eine Coca-Büchse auf den Tisch knallen. Ich lasse mir ein anständiges Essen bereiten und zwischen den Gängen das Besteck wechseln. Die Frühstückskonfitüre esse ich aus in Paris ersteigerten Tharaud-Keramiken und die Butter aus silbernen Renaissance-Dosen. Alles etwas manieriert, wenn Sie so wollen. Andere nehmen vielleicht Heroin." Fritz J. Raddatz im Gespräch mit dem SZ-MagazinFritz J. Raddatz ist tot. Und nun flattern sie rein, die Nachrufe, Einordnungen, Ehrungen und vielleicht auch Schmähungen über das "ungeratene Ostzonenarschloch" (Harry Rowohlt). Obwohl gerade mit Raddatz einer abgetreten ist, der die unbegründete und umso saftigere Schmähung zur Stilform entwickelt hatte: Dürrenmatt? "Wie wir alle wissen" ein wenig dumm. Helmut Schmidt? Ein an "Geschwätz-Diarrhoe leidender Ersatz-Hindenburg. Sloterdijk? Soll sich die Haare schneiden! Karasek? Kein Kollege, sondern Heizdeckenverkäufer. Wohl nur Raddatz hätte einen Nachruf auf Raddatz schreiben können, der Würdigung und Tritt gegen das Schienenbein vereint.
Bereits seit gestern ist ein langes Interview mit dem SZ-Magazin von April 2014 online verfügbar. Es begeistert wegen der üblichen Gemeinheiten, sprachlichen Kapriolen und dem Gesamtgestus des sich selbst souverän Abseitsstellenden. Die Offenheit, mit der Raddatz im Gespräch über die erlittenen Misshandlungen während seiner Kindheit Auskunft gibt, schockiert.
Und es berührt in dem sehr gut geführten und geschriebenen Gespräch wie unter der über die Jahre offensichtlich von Raddatz detailliert ausgearbeiteten und vom Kulturbetrieb erwartete "Figur" (So wie von Helmut Berger immer erwartet wird, den torkelnden Trunkenbold zu geben) doch so etwas durchschimmert wie (Fahigkeit zu und Bedürfnis nach) Zärtlichkeit.
So meint man eine gewisse Geringschätzung für seinen Lebenspartner Gerd wahrzunehmen, der sich aus der Kulturtätigkeit seines Lebenspartner herauszuhalten und eher für die lebenspraktischen Dinge zuständig zu sein schien: Zur Apotheke gehen. Zum Staubtuchgeschäft (!!) gehen. Den Tee oder die Wärmflasche machen. Dann die letzte Frage des Gesprächs:
Angenommen, Sie dürfen auf Ihrem Sterbebett noch ein einziges Mal telefonieren: Wen rufen Sie an?
Gerd natürlich.
Weiterhin zum Lesen:
- "Stil braucht Lässigkeit". Ein Gespräch mit der FAZ
- "Es gab zu viele Verwundungen" Fritz J. Raddatz im Interview Sven Michaelsen vom SZ-Magazin
- "Ein Schmetterling" Martin Reichert in der taz
- "Das Träumen nicht lassen" der Winkler Willi in der SZ
- "Ein Genie und Provokateur" Theo Sommer in DIE ZEIT
- "Der Zauberer ist tot" Tilmann Krause in DIE WELT
- "Der bessere Andere" Volker Weidemann in der FAZ
- "Er war das Feuilleton" Sebastian Hammelehle bei SPON
- "Ein Ich, das nie genug bekam" Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau
- "Ich war eine sehr schnelle Ratte" Fritz J. Raddatz im Gespräch mit Arno Widmann
Samstag, Februar 14, 2015
Abonnieren
Posts (Atom)


.jpg)
